Ein Welpe kommt ins Haus

Aktualisiert: Feb 3



Vorab, bitte achten Sie bei der Welpenerziehung auch auf Ihr Bauchgefühl und den normalen Menschenverstand beim Auswerten der vielen verschiedenen Meinungen. Ziehen Sie sich somit das Beste und Passendste aus den folgenden Ausführungen heraus. Für Fragen stehen wir gerne bereit.


Hochspringen

Ein Welpe möchte durch Hochspringen erreichen, die Mundwinkel des Menschen zur Begrüßung zu lecken. Die Intention des Hochspringens ist folglich eine höfliche Hundegeste. Alles Schimpfen würde den Hund verwirren. Beugen Sie sich also rechtzeitig schon zur Begrüßung zu ihrem Hund herunter, um das selbstbelohnende Verhalten des Hochspringens zu unterbinden. Versuchen Sie sich genau dann zu Ihrem Hund herunterzubeugen, wenn er zum Beispiel sitzt, um ein alternatives Begrüßungsritual (Hund setzt sich anstatt zu springen) zu trainieren.Selbst ein Zurückweichen des Menschen oder Wegschubsen des Hundes beim Hochspringen reicht dem Hund als Belohnung. Dadurch wird das Verhalten verstärkt. Bei extremen Springern bleiben Sie ruhig stehen mit hoch abgewandter Nase und angewinkelten Armen weg vom Hund. Wenn sich der Hund dann verwirrt setzt, sollte er dafür sofort in ruhigem Ton gelobt werden.​


Beißhemmung

Hunde untereinander bringen sich Beißhemmung durch hohes ‚Quieken‘ bei. Sobald einer beim wilden Spiel zu hart von den Zähnen des Anderen erwischt wird, lässt der wild um sich beißende von diesem ab. Das Quieken bedeutet ‚Aua‘ das tut weh. Sobald er also auch nur ansatzweise in einen Menschen zwickt, sollte dieser laut ‚Quieken‘. Sobald der Hund aufhört, sollte er ruhig gelobt werden. Um seinen ‚Kautrieb‘ zu befriedigen sollte man sich einen Kong besorgen. Diesen gibt es für jeden Hund in der passenden Größe im Zoofachhandel. Man kann ihn dann mit seinem Trockenfutter und Büffelhaut oder ähnlichem schön feste stopfen.​


Unreinheit

Gehen Sie alle zwei Stunden und eine Viertelstunde nach dem Fressen, dem Spielen und nach dem nervösen Herumschnüffeln noch mal auf den Platz an dem sich der Hund am häufigsten löst. Bringen Sie nachts den Welpen in einer großen Kiste neben dem Bett unter, oder schlafen Sie beim Welpen, (damit man merkt, wenn er raus muss).Sollte im Haus einmal etwas daneben gehen, falten Sie eine dicke Zeitung zusammen, damit sie sich die selber um die Ohren hauen können, wenn Sie diesen Moment verpasst haben ;-); und geben sie ihrem Hund eine kurze Auszeit, indem Sie ihn kommentarlos kurz aussperren und den Fleck entfernen. Dies sollte er nicht sehen, da er sonst mitbekommt, dass sie der Stelle Aufmerksamkeit widmen und diese aus ihrer Sicht eventuell somit interessant finden. Durch korrekte Reinigung mit Geruchsentfernern auf enzymatischer oder bakteriologischer Basis aus dem Zoofachhandel riechen diese Stellen, selbst für Hundenasen, nicht mehr nach Toilette. Der Hund sollte erst dann wieder Zugang zu der Stelle bekommen, wenn sie vollständig abgetrocknet ist.​


Treppe rauf und runter tragen

Auch ich habe gelernt, dass ein Welpe, vor allen Dingen Hunde größer werdender Rassen, keine Treppen und längere Spaziergänge machen sollte. Hierzu ein fundiert wissenschaftlicher Artikel von Herrn Prof. Dr. Fischer zum Weiterlesen:


Muss ich Welpen die Treppe rauf und runter tragen

Prof. Dr. Martin S. Fischer, M.S. 2012
 in Gkf Info 36: 27-29

Vor kurzem wurde ich gefragt, wie lange ich meine Kinder eigentlich die Treppe noch rauf und runter tragen werde. Ich antwortete, dass ich dies bis zur Verknöcherung der Wachstumsfugen also bei Mädchen und Jungen etwas unterschiedlich bis zum 16.-19. Lebensjahr tun würde, dann sei ja schließlich das Skelett erst ausgreift. Vor allen Dingen das späte Ausreifen des Oberschenkels erlaube hier keine Kompromisse! Selbstverständlich habe ich auch alle meine Welpen das erste Jahr die Treppe rauf und runter getragen. Zugegebenermaßen habe ich seit Jahren starke Rückenschmerzen, aber was tut der Mensch nicht alles für seine Lieben. Beim Hund habe ich in etwa 1083 blogs zudem gelesen, dass seine Muskeln erst spät ausreifen, zwar kann ich mir unter „Muskelreifung“ nichts vorstellen, aber sicher diejenigen, die es im Internet geschrieben haben.

Richards und Koautoren haben 2010 einen interessanten Aufsatz veröffentlicht, der einmal mehr zeigt, wie gefährlich es ist, von sich (Mensch) auf andere (hier Hund) zu schließen. Während beim Menschen der Hauptbewegungsumfang beim Treppensteigen im Knie- und Hüftgelenk auftritt, löst der Hund dieses Problem durch eine erhöhte Bewegung (vor allem Dorsalflexion) im Sprunggelenk. Futsch alle Überlegungen zur Schonung des Hüftgelenkes von Hunden beim Treppentragen. Aber Hand auf’s Herz, kennen Sie viele Hunde, bei denen durch ihre treppensteigende Jugend später Beschwerden im Sprunggelenk auftreten oder musste dies nicht erklärt werden.

Eine Bemerkung zum Wachstum: der Zeitpunkt des Wachstumsendes ist selbst bei Wurfgeschwistern sehr unterschiedlich. Schon vor 50 Jahren hat Weise gezeigt, dass nach 166 Tagen das erste Wurfgeschwister ausgewachsen war, aber erst nach 220 Tagen das letzte. Allerdings war der Hund, der die längste Wachstumsphase aufwies, nicht das größte Tier, dieses war bereits mit 177 Tagen ausgewachsen. Die Dauer des Wachstums ist also nicht der entscheidende Faktor für die Größe eines Hundes.

Eine Bemerkung zur Muskelreifung: Bei neugeborenen Welpen sind 90-95 Prozent der Muskelfasern noch undifferenziert. Die wenigen, schon differenzierten Fasern sind sehr große rote Fasern, die nach vier bis fünf Wochen wieder verschwinden. Bis zur vierten Woche ist eine allmähliche Differenzierung der Fasern erkennbar, und es treten die üblichen roten und weißen Fasern auf. Bis zur zwölften Woche ist dann das Verteilungsmuster des erwachsenen Hundes vorhanden. Die Entwicklungszeit der Muskelfasern ist in den verschiedenen Muskeln nahezu gleich. Es stimmt nicht, dass Welpen viele weiße Fasern und adulte Hunde viele rote Fasern besitzen und dass die Muskelreifung bis zu einem Jahr dauert.

Eine Bemerkung zur Stoßbelastung: Beim Galopp, beim Kurvenrennen, beim Springen und in einer Vielzahl von anderen Belastungssituationen treten Kräfte auf, die ein mehrfaches des Körpergewichtes betragen können. Prieur (1980) hat bei einer mäßigen Geschwindigkeit von 7 km/h bei einem 30 kg schweren Hund bereits eine Belastung des Hüftgelenkes gemessen, die das Sechsfache des Körpergewichtes betrug. Gleichzeitig wird beim Vierfachen des Körpergewichtes nur 55 Prozent der Gelenkfläche am Oberschenkelkopf ausgenutzt (Lieser 2003). Der Körper des Hundes und seine Gelenke sind darauf eingerichtet, auch ungewöhnliche Kraftspitzen abzufangen.

Wenn ich hier die Meinungen zum Treppensteigen von jungen Hunden hinterfrage, dann ist selbstverständlich klar, dass es für den Hund nicht anderweitig gefährdende Situation geben kann. Eine glatte, offene Treppe, auf der ein Hund – auch wenn er schon älter ist – stürzen kann ist wie jede traumatische Situation zu vermeiden. In unserem Buch „Hunde in Bewegung“ haben wir im Vorwort geschrieben: „Wenn das Wissen unzureichend ist, bilden sich Meinungen.“ Leider gibt es keine einzige Studie, welche den Einfluss des Treppensteigens bzw. Treppentragens auf die spätere Entwicklung des Bewegungsapparates des Hundes untersucht hat, wir können also den vielen Meinungen kein gesichertes Wissen entgegenhalten, aber umgekehrt, beruhen auch die Meinungen nicht auf irgendeinem haltbaren Befund. Es kann also jeder selber entscheiden, wie er es mit dem Treppentragen seines Hundes hält, aber andere belehren darf er nicht – und es gibt auch die „fürsorgliche Belagerung“ (Heinrich Böll). Mit anderen Worten, Fürsorge ist in Ordnung, man kann sie aber auch trefflich übertreiben!


Referenzen:

M.S. FISCHER & LILJE, K. (2011): Hunde in Bewegung. Verlag VDH und Kosmos.

LIESER B. (2003): Morphologische und biomechanische Eigenschaften des Hüftgelenks (Articulatio coxae) des Hundes (Canis familiaris). Diss.med.vet. Veterinärmedizinische Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München.

PRIEUR W. D. (1980): Coxarthrosis in the dog part I: Normal and abnormal biomechanics of the hip joint. Vet. Surg. 9, 145-149.

J. RICHARDS, P. HOLLER, B. BOCKSTAHLER, B. DALE, M. MUELLER, J. BURSTON, J. SELFE and D. LEVINE (2010): A comparison of human and canine kinematics during level walking, stair ascent, and stair descent. Wien. Tierärztl. Mschr. – Vet. Med. Austria 97 (2010), 92 – 100.



0 Ansichten

Tel 02274-8299516

Mobil 0177-6003357

info@hundeschule-und-mehr.de

Gelände in

Köln-Weiden

Aachener Str. 1413

Postadressse:

Neusser Str. 9

50189 Elsdorf

  • Facebook Social Icon